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SEO-Texte im Commerce – ist das noch sinnvoll?

Veröffentlicht am 11. Dezember 2025 • Lesezeit: ca. 13 Min.

Strategischer Wandel im E-Commerce: Bringen SEO-Texte 2026 noch etwas?

Das Marketing im Jahr 2026 steckt in einem Konflikt. Auf der einen Seite stehen alte Gewohnheiten der Suchmaschinenoptimierung (SEO), wie das Schreiben langer Texte. Auf der anderen Seite stehen extrem schlaue Suchmaschinen und Künstliche Intelligenz (KI). Über zehn Jahre lang galt im Online-Handel die Regel: Wer gefunden werden will, braucht „SEO-Texte“. Das waren meist lange Beschreibungen auf Kategorieseiten oder generische Texte zu Produkten. Man tat dies, um Google Futter zu geben.

Aktuelle Analysen zeigen allerdings: Diese Zeiten sind vorbei. Ich habe mir Algorithmus-Updates, Studien zum Nutzerverhalten und technische Dokumente bis Ende 2024 angeschaut; das Ergebnis ist eindeutig. Durch Googles „Helpful Content“-System (belohnt hilfreiche Inhalte), die Mobile-First-Regel (Handy-Ansicht zählt) und die neuen KI-Antworten in der Suche hat der klassische SEO-Text seinen Wert verloren. Schlimmer noch: Was früher gut war, kann heute der Benutzerfreundlichkeit und dem Ranking schaden.

Dieser Artikel erklärt, warum das bloße Ansammeln von Wörtern nicht mehr funktioniert. Die neue Strategie für 2026 lautet: Daten strukturieren statt Texte schreiben. Es geht darum, der Suchmaschine den „Einkaufs-Kontext“ zu liefern. Wir bewegen uns weg von Textwüsten hin zu Entitäten-SEO. Das bedeutet: Wir nutzen technische Daten (wie Schema.org), schlaue Verlinkungen und winzige, nützliche Textschnipsel, um Google zu überzeugen.

Der Bericht empfiehlt konkret: Stoppt die Massenproduktion von Kategorieseiten-Texten. Investiert das Budget lieber in technische Optimierung, einzigartige Produkttexte und echte redaktionelle Ratgeber.


1. Der Wandel: Warum Wörterzählen nicht mehr funktioniert

Um zu verstehen, ob SEO-Texte noch etwas bringen, müssen wir uns ansehen, wie sich Google verändert hat. Früher (um 2010) musste man auf einer Seite für „Herren Laufschuhe“ diesen Begriff oft wiederholen. Die Suchmaschine hat quasi Wörter gezählt („Lexikalisches Matching“). Deshalb entstanden diese Textblöcke am Seitenende.

1.1 Google versteht heute den Sinn, nicht nur das Wort

Im Jahr 2026 nutzen Suchmaschinen komplexe Gehirne (Neuronale Netze wie BERT oder MUM). Google ordnet Wörter heute in einem riesigen Raum an (Vector Space Modeling). Die Maschine weiß, dass „Laufschuh“, „Sneaker“ und „Jogging-Schuhwerk“ zusammengehören. Sie erkennt auch ohne Text, dass eine Seite Schuhe verkauft – zum Beispiel, weil sie Bilder, Preise und einen „Kaufen“-Button im Code findet.

Wenn du dich also fragst: „Bringt der Text noch was?“, lautet die Antwort: Wenn du Google nur erklären willst, worum es auf der Seite geht, ist der Text fast nutzlos. Die technischen Signale der Seite erledigen das viel besser.

1.2 Das „Helpful Content System“ und Expertenstatus (E-E-A-T)

Das wichtigste Regelwerk von Google ist heute das Helpful Content System. Es ist fest in Google integriert und bewertet, ob ein Inhalt für Menschen nützlich ist.

Das hat ernste Folgen für Online-Shops:

  • Die Bewertung: Das System erkennt Texte, die nur für Suchmaschinen geschrieben wurden. Eine Kategoriebeschreibung, die erklärt „Was ist eine Waschmaschine?“, gilt als nicht hilfreich. Wer eine Waschmaschine kaufen will, weiß, was das ist. Solche Texte senden ein negatives Signal.
  • Gefahr für die ganze Seite: Wenn du viele solcher schlechten Texte hast, kann das deine gesamte Website nach unten ziehen. Auch die eigentlich guten Seiten leiden dann.
  • E-E-A-T (Erfahrung & Expertise): Google prüft, wer den Text schreibt. Ein anonymer Textblock auf einer Kategorieseite wirkt nicht sehr kompetent. Ein echter Ratgeber von einem benannten Experten wirkt dagegen vertrauenswürdig.

Fazit: Texte nur zu schreiben, um Keywords unterzubringen, ist heute riskant. Der Algorithmus bestraft genau das, was früher Standard war.


2. Das Problem mit den Kategorieseiten

Die Kategorieseite (z. B. „Bio-Baumwoll-Bettwäsche“) ist für Shops extrem wichtig. Aber wie optimiert man sie 2026 ohne lange Texte?

2.1 Der Text am Seitenende (Footer) wird ignoriert

Jahrelang haben Shops lange Texte ganz unten auf die Seite gepackt. So störten sie die Kunden nicht, aber Google sollte sie lesen.

Heute wissen wir durch Analysen (Heatmaps), dass dieser „Footer-Text“ für Nutzer unsichtbar ist.

  • Niemand scrollt: Weniger als 20 % der Nutzer scrollen auf Kategorieseiten bis ganz nach unten. Besonders auf dem Handy tut das fast niemand.
  • Google wertet ab: Google (z. B. John Mueller) hat angedeutet, dass Inhalte, die so platziert sind, dass sie niemand sieht, auch für das Ranking weniger zählen. Wenn du Text versteckst oder ganz nach unten schiebst, sagst du Google damit indirekt: „Das hier ist nicht wichtig“.

2.2 Beweise aus Tests: Löschen schadet nicht

Große Tests haben gezeigt, dass man diese Texte oft einfach löschen kann.

  • SearchPilot Experimente: In vielen Tests wurden die „SEO-Texte“ auf Kategorieseiten entfernt. Das Ergebnis: Das Ranking blieb gleich. Manchmal wurde es sogar besser, weil die Seite schneller lud.
  • Kurz gewinnt: Eine Untersuchung von 300 Top-Kategorieseiten zeigte, dass diese im Schnitt nur etwa 310 Wörter Text hatten. Viele Seiten auf Platz 1 hatten gar keinen Text außer den Produktnamen.

Einsicht: Es gibt keinen direkten Zusammenhang mehr zwischen „Länge des Textes“ und „Ranking“. Wichtiger ist, ob der Nutzer zufrieden ist (Query Satisfaction). Bei einer Kaufabsicht will der Nutzer Filter, gute Preise und verfügbare Produkte – keinen Geschichtsunterricht über das Produkt.

2.3 Text oben stört den Verkauf

Packt man den Text nach oben („Above the Fold“), verdrängt man die Produkte.

  • Produkte müssen sichtbar sein: Auf dem Handy schiebt schon ein kurzer Text die Produkte aus dem Bild.
  • Nutzer springen ab: Kunden erwarten Produkte. Sehen sie nur Text, verlassen sie die Seite oft sofort wieder. Das erhöht die Absprungrate (Bounce Rate) und signalisiert Google: „Diese Seite gefällt den Leuten nicht“.
  • Der Kompromiss: Die Empfehlung für 2025 lautet: Schreibe maximal 2–3 Sätze (30–50 Wörter) als Einleitung. Das reicht.

3. Handy zuerst: Mobile-First Indexing

2026 gilt: Google schaut sich fast nur noch die mobile Version deiner Seite an (Mobile-First Indexing). Das hat Folgen für Texte, die auf dem Handy oft eingeklappt werden.

3.1 Das Akkordeon-Problem

Darf man Texte in „Mehr lesen“-Boxen oder Akkordeons verstecken?

  • Offiziell: Google sagt, man darf das aus Platzgründen tun und es wird trotzdem gewertet.
  • In der Praxis: Trotzdem zeigen Daten, dass sichtbarerer Text oft besser funktioniert. Warum? Weil Nutzer nicht darauf klicken. Wenn niemand den Text aufklappt, fehlen Google die Signale, dass der Text gelesen wird. Das System denkt: „Unwichtig“.

3.2 Der Fehler mit dem ausgeblendeten Text

Ein großer Fehler ist es, Text auf dem Computer anzuzeigen, ihn aber auf dem Handy komplett zu entfernen (damit es schneller lädt).

  • Die Folge: Da Google fast nur aufs Handy schaut, existiert dieser Text für Google nicht, auch wenn er auf dem Desktop zu sehen ist.

Empfehlung: Wenn ein Text so unwichtig ist, dass du ihn auf dem Handy weglassen kannst, ist er wahrscheinlich auch für SEO unwichtig. Wenn er wichtig ist (z. B. Größentabelle), muss er auch auf dem Handy da sein.


4. KI-Antworten (AI Overviews) nehmen Traffic weg

Google beantwortet Fragen jetzt oft direkt in der Suche mit einer KI-Zusammenfassung (früher SGE genannt). Das ist ein Problem für Kategorieseiten, die Informationen bieten wollen.

4.1 Einfache Fragen werden direkt beantwortet

Früher konnte eine Kategorieseite für Waschmaschinen Besucher anlocken, die „Frontlader oder Toplader?“ gegoogelt haben.

  • Realität: Die KI von Google beantwortet das sofort oben in der Suche.
  • Keine Klicks mehr: Nutzer klicken für solche einfachen Infos nicht mehr auf Shop-Seiten. Der Traffic bricht hier weg (Zero-Click).

4.2 Trennung der Absichten

Du musst deine Inhalte strikt trennen:

  1. Kategorieseite (Kaufen): Hier geht es nur ums Verkaufen. Text sollte nur Angebote beschreiben (z. B. „50% Rabatt“).
  2. Ratgeber (Informieren): Wenn du Traffic für „Beste Waschmaschinen 2026“ willst, brauchst du einen echten, redaktionellen Artikel in einem Blog-Bereich. Ein Text im Footer einer Kategorieseite reicht dafür nicht mehr. Google zitiert in den KI-Antworten echte Ratgeber, keine Shop-Texte.

5. Die technische Alternative: Daten statt Text

Wenn wir den langen Text streichen, wie sagen wir Google dann, worum es geht? Die Antwort ist Technisches SEO und Strukturierte Daten (Code). Es ist effektiver, Google sauberen Code zu geben, als schwammigen Text.

5.1 CollectionPage Schema

Das ist eine Art Code-Sprache für Kategorieseiten. Anstatt im Text zu schreiben „Wir haben Nike und Adidas“, listest du im Code die Produkte auf.

  • Wie es funktioniert: Du nutzt im Code eine Liste (ItemList), die direkt auf die Produkte verweist. Das zeigt Google ganz genau: „Diese Seite ist ein Behälter für genau diese 24 Produkte“.
  • Der Vorteil: Google versteht so die Auswahl und Tiefe deines Sortiments viel besser als durch Adjektive im Text.

5.2 Links sind auch Text

Die Wörter, mit denen du auf deine Kategorieseite verlinkst (Ankertext), sind wichtiger als der Text auf der Seite.

  • Strategie: Ein Link im Menü, der „Wasserdichte Laufschuhe“ heißt, hilft mehr als ein Absatz Text auf der Zielseite.

6. Wo Text tatsächlich noch Wert hat

Soll man also gar keine Texte mehr schreiben? Doch, aber an anderen Stellen. Das Budget muss sich verschieben: Weg von Kategorien, hin zu Produktseiten (PDP) und Experten-Ratgebern.

6.1 Das Comeback der Produktseite

Viele Shops kopieren einfach die Texte der Hersteller. Das ist schlecht (Duplicate Content).

  • Die Lösung: Schreibe einzigartige Produktbeschreibungen.
    • Wie fühlt sich der Stoff an?
    • Wie fällt die Größe aus? („Bestell lieber eine Nummer größer“)
    • Wozu passt das Teil?
  • Der Effekt: Das hilft dir, bei sehr speziellen Suchanfragen („Kleid das Bauch kaschiert“) gefunden zu werden. Das sind Kunden, die wirklich kaufen wollen.
  • Umsatz: Studien zeigen, dass gute, eigene Texte die Kaufrate um bis zu 78 % steigern können.

6.2 Nützliche Mini-Texte (Micro-Copy)

Statt eines Blocks am Ende, nutze kleine Texte direkt an den Filtern.

  • Beispiel: Ein kleiner Info-Button am Filter „Wasserdicht“, der erklärt, warum man das braucht. Das ist „Helpful Content“, den Leute wirklich lesen.
  • FAQ: Ein Frage-Antwort-Bereich am Ende ist okay, aber nur für echte Service-Fragen („Wie lange Garantie?“), nicht für generische Fragen („Was ist ein Schuh?“).

7. KI beim Schreiben nutzen

Soll man Texte von KI schreiben lassen? Ja, aber mit Vorsicht.

7.1 Gefahr der „KI-Flut“

Es ist leicht, 1.000 Texte mit KI zu erstellen. Aber das ist gefährlich.

  • Mustererkennung: Google erkennt maschinell erstellte Massenware sofort. Wenn du plötzlich tausende ähnliche Texte veröffentlichst, riskierst du eine Abstrafung.
  • Durchschnitt: KI schreibt immer den „wahrscheinlichsten“ Text. Das ist per Definition Durchschnitt. Um bei Google oben zu stehen, musst du aber besser als der Durchschnitt sein.

7.2 Mensch und Maschine zusammen (HITL)

Das beste Modell für 2026 ist: KI hilft, Mensch entscheidet.

  • Entwurf: Die KI sortiert die Daten und macht einen Entwurf.
  • Veredelung: Ein Mensch fügt die „Experten-Note“ hinzu – Markensprache, echte Tipps und prüft die Fakten.
  • Effizienz: Das spart Kosten, hält aber die Qualität hoch.
MerkmalReiner KI-TextMenschlicher ExperteAuswirkung
KreativitätGering (wiederholt Muster)Hoch (neue Ideen)Menschen werden bevorzugt.
FaktenFehleranfällig (halluziniert)Genau (bei Experten)Wichtig für Vertrauen.
MengeSehr hoch möglichGeringKI für Basisdaten nutzen.
LeserbindungOft langweiligEmotionalMenschlicher Text hält Leser länger auf der Seite.

8. Budget und Planung: Was tun?

Sollst du als SEO-Manager weiter Texte bestellen?

8.1 Erst prüfen, dann schreiben (Audit)

Bevor du neue Texte kaufst, schau dir die alten an.

  1. Suche „Zombie-Texte“: Finde Kategorieseiten mit viel Text, der keinen Traffic bringt.
  2. Testen: Lösche bei einigen Seiten den Textblock testweise. Warte 4-6 Wochen. Wenn das Ranking gleich bleibt (was oft passiert), kannst du den Text überall löschen. Das macht die Seite sauberer.

8.2 Budget verschieben

Das Geld sollte anders verteilt werden.

Altes Budget (2020)Neues BudgetWarum?
Kategorietexte (40%)Technik & Daten (30%)Maschinen lesen Code besser als Text.
Linkaufbau (30%)PR & Marke (20%)Bekanntheit der Marke ist wichtiger als reine Links.
Blog-Masse (20%)Hochwertige Ratgeber (30%)Weniger, aber bessere Artikel gegen die KI-Antworten.
Produkttexte (10%)Produkt-Veredelung (20%)Hier findet der Verkauf statt.

8.3 Die ideale Kategorieseite 2026

So sollte eine moderne Seite aussehen:

  1. Überschrift: Klar und deutlich.
  2. Kurzes Intro: 1-2 Sätze zum Alleinstellungsmerkmal (z. B. „Hergestellt in Portugal“).
  3. Filter: Gute Bedienbarkeit.
  4. Produkte: Das Wichtigste auf der Seite.
  5. Kein Text-Footer: Keine Textwüsten am Ende.
  6. Echte FAQs (Optional): Nur für relevante Fragen, etwa zu Versand oder Garantie.

9. Fazit: Die neue Rolle des SEO-Managers

Die Antwort auf die Frage „Bringen SEO-Texte noch etwas?“ lautet:

Nein, nicht im alten Sinne. Lange, mit Keywords vollgestopfte Beschreibungen auf Kategorieseiten sind tot. Sie kosten Geld, bringen nichts und können sogar schaden.

Aber: Text an sich ist nicht tot. Er hat sich nur verlagert. Der Wert liegt heute in einzigartigen Produktgeschichten und tiefgehenden Kaufberatern.

Sollte man weiter Texte schreiben lassen?

  • Hör auf, für jede Unterkategorie 500 Wörter zu bestellen.
  • Fang an, in tolle Beschreibungen für deine Bestseller-Produkte zu investieren.
  • Fang an, echte journalistische Ratgeber zu schreiben, die Probleme lösen.
  • Fang an, in technische Daten (Schema.org) zu investieren.

Der SEO-Manager von 2026 ist kein „Keyword-Verteiler“ mehr, sondern ein „Informations-Architekt“. Das Ziel ist es, dem Kunden das Einkaufen leicht zu machen und der Suchmaschine klare Daten zu geben.

Geschrieben von

Michael Burakowski

Ich bin Michael, Senior SEO Manager & KI-Enthusiast. Auf diesem Blog teile ich meine Insights dazu, wie sich die Suche verändert und wie wir uns darauf einstellen.